🐾 Ein Käfig im Garten ist noch kein artgerechtes Katzen-Außengehege

Auf den ersten Blick wirkt die Situation beinahe ideal: ein gepflegter Garten, viel Grün, Sonne, Pflanzen und mittendrin ein gesicherter Außenbereich für die Katze.

Die Katze kann draußen sitzen, frische Luft genießen und ihre Umgebung beobachten – ohne die Gefahren des unkontrollierten Freigangs.

Doch genau hier liegt ein häufiges Missverständnis:

Sicherheit allein bedeutet noch keine artgerechte Gestaltung.

Ein Außengehege sollte einer Katze nicht lediglich ermöglichen, draußen zu sein. Es sollte ihr ermöglichen, draußen möglichst viele ihrer natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.

🐱 Katzen brauchen mehr als ein paar Quadratmeter

Katzen erleben ihre Umwelt dreidimensional. Für sie zählt nicht nur die Grundfläche.

Sie möchten klettern, springen, erhöhte Positionen aufsuchen, sich verstecken, beobachten, erkunden, unterschiedliche Gerüche wahrnehmen und selbst entscheiden können, wo sie sich aufhalten.

Das auf dem Bild dargestellte Gehege wirkt im Verhältnis zum vorhandenen Garten sehr klein und stark begrenzt.

Zwar befinden sich darin verschiedene Ebenen und Klettermöglichkeiten – das ist grundsätzlich positiv –, dennoch bleibt der Bewegungs- und Erkundungsradius gering.

Gerade wenn ein großer Garten vorhanden ist, stellt sich deshalb die Frage:

Warum bekommt die Katze nur einen winzigen Ausschnitt davon?

🌳 Ein Garten bietet enormes Potenzial

Ein katzengerecht gesicherter Garten oder ein großzügiges Außengehege könnte wesentlich mehr bieten:

Gras unter den Pfoten, Baumstämme und natürliche Kletterelemente, erhöhte Beobachtungsplätze, Verstecke zwischen Pflanzen, sonnige und schattige Bereiche, unterschiedliche Bodenstrukturen sowie lange Laufwege und abwechslungsreiche Ebenen.

Auch ungiftige Bepflanzung kann einen Außenbereich erheblich interessanter machen.

Für eine Katze entsteht dadurch kein statischer „Käfig“, sondern ein strukturierter Erlebnisraum.

👃 Die Nase möchte ebenfalls beschäftigt werden

Katzen nehmen ihre Umwelt intensiv über Gerüche wahr.

Erde, Gras, Holz, Pflanzen, Wind und die Gerüche anderer Tiere liefern ständig neue Informationen. Diese wechselnden Umweltreize sind eine wichtige Form der Beschäftigung.

Ein kleiner, überwiegend technisch aufgebauter Bereich kann zwar Außenreize ermöglichen, bietet aber wesentlich weniger Möglichkeiten zur selbstständigen Erkundung.

Ein gutes Gehege sollte deshalb nicht nur aus Draht, Holz und einigen Plattformen bestehen.

Natur sollte Teil des Geheges sein.

🧗 Höhe allein reicht nicht

Katzen lieben erhöhte Plätze. Deshalb sind Kletterbäume, Plattformen und Liegeflächen sinnvoll.

Artgerechte Gestaltung bedeutet jedoch mehr als möglichst viele Bretter übereinanderzubauen.

Interessanter wird ein Außenbereich durch verschiedene Höhen, unterschiedliche Wege, sichere Sprungdistanzen, Rückzugsmöglichkeiten und mehrere alternative Routen.

Besonders in einem Mehrkatzenhaushalt sind Ausweichmöglichkeiten wichtig. Eine Katze sollte einer anderen nicht zwangsläufig begegnen müssen, nur weil es lediglich einen einzigen Weg nach oben oder unten gibt.

☀️ Sonne, Schatten und Wetterschutz

Ein gutes Außengehege benötigt außerdem verschiedene Klimazonen.

Die Katze sollte selbst wählen können:

Möchte ich in der Sonne liegen? Möchte ich in den Schatten? Möchte ich windgeschützt schlafen? Möchte ich mich vollständig zurückziehen?

Je größer die Auswahl, desto mehr Kontrolle besitzt das Tier über seine eigene Umgebung.

Und genau diese Wahlmöglichkeiten sind für das Wohlbefinden von Katzen besonders wertvoll.

🐾 Bewegung muss möglich sein

Ein weiterer entscheidender Punkt ist Bewegung.

Eine Katze bewegt sich nicht ausschließlich vertikal. Sie rennt, schleicht, beschleunigt, springt und verfolgt bewegliche Reize.

In einem sehr kleinen Gehege sind längere Bewegungsabläufe kaum möglich.

Das lässt sich auch durch einen hohen Kletterbaum nicht vollständig kompensieren.

Ein großzügiger Außenbereich sollte deshalb horizontale und vertikale Bewegungsmöglichkeiten miteinander verbinden.

⚠️ Trotzdem ist ein kleines Gehege nicht automatisch schlechte Katzenhaltung

Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.

Wenn eine Katze ein abwechslungsreich eingerichtetes Haus oder eine Wohnung zur Verfügung hat und dieses Gehege lediglich freiwillig als zusätzliche gesicherte Terrasse nutzen kann, kann es durchaus eine Bereicherung darstellen.

Problematisch wird es insbesondere dann, wenn ein solch kleiner Bereich als vollständiger Ersatz für einen angemessen gestalteten Lebensraum betrachtet wird oder die Katze dort über längere Zeit untergebracht werden soll.

Man sollte deshalb niemals allein anhand eines Fotos die gesamte Haltung eines Tieres beurteilen.

Beurteilen kann man jedoch die Gestaltung des sichtbaren Außenbereichs.

🌿 Wie könnte es besser aussehen?

Bei einem Garten wie auf dem Bild wäre beispielsweise ein deutlich größerer gesicherter Bereich denkbar, der sich harmonisch in die vorhandene Bepflanzung integriert.

Statt eines kleinen rechteckigen Geheges könnten Teile des Gartens mit einem professionellen Ausbruchschutz gesichert oder ein großzügiger, abwechslungsreicher „Katzengarten“ geschaffen werden.

Darin könnten natürliche Baumstämme, Kletterwege, Aussichtsplattformen, Grasflächen, Verstecke, Tunnel, Kratzmöglichkeiten und wettergeschützte Ruheplätze miteinander verbunden werden.

So entsteht aus einer Unterbringung ein Lebensraum.

🐈 Sicherheit + Bedürfnisse = katzengerechter Außenbereich

Ein gesichertes Außengehege ist eine gute Idee und kann für viele Katzen eine hervorragende Alternative zum unkontrollierten Freigang darstellen.

Aber ein Gitter allein macht einen Außenbereich noch nicht artgerecht.

Ein guter Katzen-Außenbereich sollte möglichst viele natürliche Bedürfnisse berücksichtigen:

Bewegen. Klettern. Beobachten. Verstecken. Erkunden. Riechen. Ruhen. Spielen. Abstand nehmen. Entscheidungen treffen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Kann meine Katze nach draußen?“

Sondern:

💜 „Was kann meine Katze dort draußen tatsächlich tun?“

Denn verantwortungsvolle Katzenhaltung bedeutet nicht nur, Gefahren fernzuhalten.

Sie bedeutet auch, der Katze innerhalb dieser Sicherheit möglichst viel Freiheit, Abwechslung und Selbstbestimmung zu ermöglichen. 🐾

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